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Geschichte
der Philippinen
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Geschichte
der Philippinen
Besiedlungsgeschichte
Archäologische Funde in der Provinz Cagayan (Nordluzon)
deuten auf eine erste menschliche Besiedlung des Gebiets
im mittleren und späten Pleistozän (ab ca. 250000
v. u. Z.). Diese Hominiden, vermutlich Verwandte des Java-
und des Peking-Menschen sowie anderer asiatischer Frühmenschen,
waren als Jäger zusammen mit heute auf den Philippinen
längst ausgestorbenen Säugetieren (Nashorn, Zwergelefant,
Stegodon u. a.) über damals bestehende Landbrücken
vorn asiatischen Festland eingewandert. Die ältesten
Spuren des Homo Sapiens auf den Philippinen (steinzeitliche
Werkzeuge und fossile menschliche Knochenfragmente) entdeckten
Anthropologen in den Tabon-Höhlen (bei Quezon, Insel
Palawan). Untersuchungen mit der Radiokarbonmethode lassen
eine Datierung auf ca. 30 500 v. u. Z. zu. Da Palawan Teil
des Sunda-Schelfs ist, gilt es als erwiesen, daß der
Tabon-Mensch< über eine südliche Landbrücke
aus dem Gebiet des heutigen Borneo kam. Ein weiteres Indiz
bekräftigt diese These: die Ähnlichkeit der frühmenschlichen
Lebensforrmen der Taboi Kultur auf Palaxa in mit der Niah-Kultur
in Saravv-ak, Ostmalaysia (Borneo). Vermutlich existierten
zu dieser Zeit auch in anderen Philippineninseln Horno Sapiens
Populationen. Als eigentliche Ureinwohner werden jedoch
die Negritos angesehen, die im späten Paläolithikum
(Altsteinzeit ab ca. 25 000 v. u. Z.), über Landbrücken
von Kontinentalasien kommend, verschiedene Regionen der
Philippinen kontinuierlich besiedelten.
Diese
pygmäenhaften kraushaarigen Einwanderer aus straloider
oder melanesischer Abkunft lebten als nomadisierender Jäger
und Sammler in Höhlen, sie sind die älteste, heute
noch auf mehreren philippinischen Inseln (Luzon, Panay,
Negros, Palawan,Nordmindanao) vorhandene Menschengruppe.
Nachdem die Landbrücken in Holozän, dem letzten
Abschnitt der Erdneuzeit ( (zwischen ca. 25 000 und 10 000
v. u. Z. durch das Abschmelzen der eiszeitlich Gletscher
ins Meer versunken waren, wurde den die negroiden Altstämme
im Neolithikum (Jungsteinzeit) von seefahrenden Stammesverbänden
alt- oder protomalaiischer Völker ethnisch überlagert
bzw. in abgelegene, gebirgige Rückzugsgebiete verdrängt.
Diese Volksgruppe mongolisch-kaukasischen Ursprungs bildet
den ältesten Zweig der austronesischen Rasse, die sich,
von China ausgehend, auf einer der längsten Völkerwanderungen
der Menschheitsgeschichte über die halbe Erdkugel verbreitete,
von Madagaskar bis zur Osterinsel. Den philippinischen Archipel
erreichten die Protomalalen auf dem Seeweg (vermutlich über
Borneo) in zwei großen Einwanderungsintervallen (ca.
3000 v. u. Z. und ca. 1000 v. u. Z.).
Sie
brachten den Inseln eine weit höhere Kultur, als sie
die auf vergleichsweise niedriger Entwicklungsstufe stehenden
Negritos besaßen; u. a. führten sie erste Formen
der Landwirtschaft und des Hausbaus ein (auf sie geht auch
der traditionelle Brandrodungsfeldbau, Kaingin, zurück).
Im Zentrum ihrer Naturreligion standen Schamanismus und
ein ausgeprägter Totenkult; ein weiteres wichtiges
Element ihrer Kultur war zudem die (noch bis Anfang unseres
Jahrhunderts praktizierte) rituelle Kopfjagd. Zu den direkten
Nachkommen der Altmalaien gehören die Bergstämme
Mindanaos (Manobo, Bagobo u. a.) sowie die Igorot-Völker
Nordluzons (Bontok, Ifugao, Kalinga u. a.), die Erbauer
der dortigen großartigen Reisterrassen. In einer dritten
großen Einwanderungswelle gelangten etwa zwei Jahrhunderte
vor Beginn unserer Zeitrechnung austronesische jung- oder
Deuteromalalen aus dem südchinesischen Raum auf die
Philippinen. Diese Immigranten, die in maritim orientierten
Sozialverbänden zusammengeschlossen waren (Beiname
"Küstenmalaien"), verdrängten nun ihrerseits
die Protomalaien (wie diese zuvor die Negritos) aus den
fruchtbaren Küstenstreifen und leicht zugänglichen
Tiefebenen ins gebirgige Binnenland. Die eigentlichen Jungmalaien
bildeten nicht nur den Grundstock für die heute staatstragende
Bevölkerung der Philippinen, sondern brachten als Träger
der Dongson-Kultur ( Bezeichnung für die erste metallverwendende
Kultur Indochinas und des malalischen Archipels; benannt
nach einem bedeutenden Fundort im Norden Vietnams) auch
einen enormen Zivillsationsschub in die philippinische Inselwelt:
den Sprung von der Stein- in die Bronze- und Eisenzeit.
Wesentliche
Kulturmerkmale der deuteromalaiischen Einwanderer waren
u. a. der Gebrauch von Metallwerkzeugen und -waffen, die
Einführung einer bereits sehr hochentwickelten Töpferkunst
und der Haustierhaltung sowie die Entwicklung neuer Methoden
in der Landwirtschaft und im Häuserbau (Pfahlbauten).
Zwar existierten zur damaligen Zeit auf dem philippinischen
Archipel noch keine größeren politischen Einheiten,
doch lebten die Menschen bereits in gefestigten Gemeinschaften
mit einem demokratisch gewählten Häuptling an
der Spitze und einem alle Stammesmitglieder verpflichtenden
Gesetzesgefüge (Adat).
Frühe
Kontakte zu Nachbarstaaten
Die Philippinen lagen ab der Zeitenwende bis zum Beginn
der spanischen Kolonisation mehr oder weniger an der Peripherie
der bedeutenden geschichtlichen Ereignisse im südostastatischen
Raum. Der Archipel und seine Bewohner haben an den vor allem
unter indischen Einflüssen erfolgten großen kulturellen
und staatlichen Entwicklungen in Südostasien kaum teilgenommen.
Indien hatte schon in vorchristlicher Zeit begonnen, sich
in Hinterindien und auf dem Malalischen Archipel auszudehnen.
Nach dem Niedergang des expansiven südindischen Pallava
Königreichs entstand im 9. Jahrhundert in Indonesien
das indisierte buddhistische Großreich Sri Vijaya
(ca. 800 - 1377), dessen Herrschaftsbereich im Zenit seiner
Macht die Inseln Sumatra (das Kernland´der Sri Vijaya-Kultur
mit der Hauptstadt Palembang), Borneo, Celebes und West-Java
sowie weite Teile Hinterindiens umfaßte; sogar Ceylon
war ihm lange Zeit tributpflichtig. Die Philippinen allerdings
gehörten, trotz der räumlichen Nähe, nie
unmittelbar zum Machtbereich des Sri Vijaya-Reichs. Nach
anfänglich schwachen Handelskontakten, die vorwiegend
von den beiden Fürstentümern Bandjarmasin und
Brunei auf Borneo ausgingen,wurden lediglich die südphilippinischen
Sulu-Inseln (durch die Heirat eines Sulu-Fürsten mit
einer Prinzessin von Banjarmasin) dem Sri Vijaya-Imperium
angegliedert.
Sulu
entwickelte sich zu jener Zeit zu einem bedeutenden Zentrum
des Warenaustauschs; hier unterhielten arabische, chinesische
und siamesische Seehändler, aber auch Kaufleute aus
dem alten Champa-Reich im südlichen Annam (etwa das
Gebiet des heutigen Vietnam) wichtige Handelsstützpunkte.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erreichte
eine weitere Einwanderungswelle die Philippinen: Die neue
Spur malalischer Besiedlung zieht sich von Brunei und der
Nordwestküste Borneos über Palawan zu den Zentral-philippinen
(vor allem Panay, Mindoro und Südwestluzon). Die neuen
Immigranten - malalische Datu ("Häuptlinge")
mit ihren Gefolgsleuten, flohen vor der Gewaltherrschaft
borneischer Sultane und gründeten in den Küstensäumen,
nachdem sie das Land von den Eingeborenen im Tauschhandel
erworben hatten, ihre Siedlungen. Der Name der Inselgruppe
im Zentrum des philippinischen Archipels - Visayas - geht
übrigens auf diese frühen Kolonisten aus dem Sri
Vijaya-Reich zurück.
Gegen
Ende des 13. Jahrhunderts wurde Sri Vijaya allmählich
vom aufsteigenden Königreich Majapahit (1293 - 1478)
als dominierende Macht Südostasiens abgelöst.
Auch diesem hinduistischen Großreich, dessen malalische
Herrscher eine expansionsorientierte Politik betrieben,
waren die Philippinen nie direkt unterworfen. Allerdings
kam es durch Händler und Einwanderer zu einer verstärkten
Ausbreitung indischer Kultureinflüsse, vor allem auf
dem Sulu-Archipel, in der Gegend um den Lanao-See (Mindanao),
auf den westlichen Inseln (Palawan, Mindoro, Panay und Cebu)
sowie auch im Gebiet um die Bucht von Manila. Einwirkungen
erfuhr das regionale Wirtschaftsgefüge, mehr noch aber
das politisch-soziale und religiöse Leben sowie verschiedene
Ausdrucksformen der Kunst. Funde hinduistischer Götterstatuen
auf Cebu und Mindanao beispielsweise legen Zeugnis ab von
der Beeinflussung des lokalen religiösen Brauchtums.
Weitere Hinweise auf die Durchdringung der Naturreligionen
und der Mythologie der alten philippinischen Stammesgruppen
mit brahmanischen Merkmalen finden sich in den Götternamen
(z. B. entwickelte sich die Bezeichnung Bathala für
die höchste Gottheit der alten Tagalen aus dem Sanskrit-Begriff
Bhattara). Die später einsetzende Islamisierung der
südphilippinischen Inseln und schließlich vor
allem die mit der Kolonisation durch die Spanier einhergehende
Christianisierung haben jedoch die Elemente der indischen
Hochkultur weitgehend überdeckt. Allein in der Sprache
lebt das indische Erbe weiter:
Bei
allen wichtigen philippinischen Sprachen und Regionaldialekten
(einschließlich des Tagalog) finden sich Wurzeln aus
dem Sanskrit und dem Tamilischen. Anzumerken ist, daß
nie Zuwanderer in größerer Zahl direkt aus Indien
ins Land gekommen sind, sondern daß hauptsächlich
hinduisierte Malaien aus Borneo quasi als Mittler die indischen
Einflüsse in die philippinische Inselwelt brachten.
Einen anderen Charakter hatten die Beziehungen Chinas zu
den Philippinen sie waren in erster Linie von wirtschaftlichen
und weniger von politischen Interessen geprägt. Die
Anfänge der chinesisch-philippinischen Handelskontakte
liegen nachweislich im zweiten vorchristlichen Jahrhundert,
eine Intensivierung erfuhr der Warenaustausch aber erst
zur Zeit der Tang-Dynastie (618-906) und einen Höhepunkt
schließlich während der SungDynastie (960-1280),
als sich China zu einer bedeutenden Seemacht entwickelte.
Die Dschunken liefen mit dem Nordostmonsun aus, segelten
an der Küste Asiens entlang und kehrten mit dem Südwestmonsun
über Borneo, den philippinischen Archipel und Taiwan
wieder zurück. Wie Ausgrabungen beweisen, war dieser
Handel sehr umfangreich.
Chinesische
Kaufleute tauschten ihre Waren (Porzellan, Seide, Kupfergefäße,
eiserne Gebrauchsgegenstände u. a.) gegen Gold und
Naturprodukte der Einheimischen (Perlen, Muscheln, Abaka,
wertvolle Hölzer, Baumwolle, Gewürze, Bienenhonig
u. a.) ein. Zu den bevorzugten Handelsplätzen der Chinesen
zählten damals die Inseln Luzon (Liusung), Mindoro
und Palawan (Pa-Lao-Yu); teilweise gründeten sie hier
(etwa ab dem 13. Jahrhundert) feste Niederlassungen, in
die später chinesische Einwanderer strömten. Lange
Zeit dienten philippinische Häfen auch arabischen Seehändlern
(die zeitweise einen beträchtlichen Teil des sino-philippinischen
Handels abwickelten, denen zu anderen Zeiten aber der Zugang
zu chinesischen Häfen verwehrt war) als Warenumschlagplätze
und Treffpunkte für ihre Transaktionen mit chinesischen
Kaufleuten. Während der Ming Dynastie (1368-1644) waren
verschiedene philippinische Stammesfürsten zeitweise
dem Kaiser von China tributpflichtig. Ungeachtet ihrer bedeutsamen
wirtschaftlichen Rolle zeigten chinesische Händler
und Siedler niemals größere Ambitionen, auf den
Philippinen ihre Religion, ihre Kunst oder ihre Lebensweise
zu verbreiten. Die Einflußnahme konzentrierte sich
vorwiegend auf das Wirtschaftsleben; kulturelle Einwirkungen
waren eher eine Begleiterscheinung. Als ein wichtiges Kulturgut
brachten die Chinesen das Porzellan mit, das schon bald
bei allen philippinischen Stammesgruppen zu einem begehrten
Artikel avancierte.Auch Japan pflegte schon Jahrhunderte
vor Ankunft der Spanier Handelsbeziehungen zu den Philippinen.
Japanische Seefahrer liefen jedoch fast ausschließlich
Manila und Häfen in Nordluzon an. Den Japanern wird
die Einführung der (heute noch sehr bedeutsamen) Fisch-
und Entenzucht zugeschrieben; ihre frühen Niederlassungen
entstanden überwiegend am Golf von Lingayen.
Die
Islamisierung der südphilippinischen Inseln
Die Herrschaftszeit des hinduistischen Großreichs
Majapahit währte nur knapp zwei Jahrhunderte; gegen
Ende des 15. Jahrhunderts brach das kolonialindische Imperium
unter der gewaltigen Machtentfaltung des islamischen Reichs
von Malakka (1403-1511) zusammen. Der Islam gewann die Oberhand
über ein weites Gebiet, das von der Malauschen Halbinsel
über den Malalischen Archipel bis zu den südphilippinischen
Inseln reichte. In seinem Gefolge bildeten sich Moslemstaaten,
die indische und islamische Elemente zu einer Einheit verschmolzen
(als einzige rein hinduistische Enklave blieb das indonesische
Bali erhalten). Der Islam hatte Südostasien entlang
der Handelswege erreicht. Bereits in den ersten nachchristlichen
Jahrhunderten waren arabische Händler vereinzelt über
die Grenzen des asiatischen Kontinents hinaus in die westpazifische
Inselwelt vorgestoßen; Manila wurde im 12. Jahrhundert
einer ihrer bedeutendsten Handelsplätze im südostasiatischen
Raum. Anfangs gab es keine Bekehrungsversuche; erst gegen
Ende des 14. Jahrhunderts begannen islamische Gelehrte,
von Borneo her vordringend, auf den Sulu-Inseln ihr Missionierungswerk.
1380 erreichte der Araber Karim al-Makdum die kleine Insel
Simunul und ließ dort die erste Moschee auf philippinischem
Boden erbauen.
Zehn
Jahre später folgte ihm der moslemische Malalenprinz
Rajah Baginda von Sumatra mit seinen Gefolgsleuten. Zu einer
machtvollen Ausbreitung des Islam kam es aber erst gegen
1450 mit der Ankunft von Abu Bakr aus Johore, der von dem
Sultanat Brunei aus die Insel Jolo unterwarf und das erste
Sultanat von Jolo gründete. Sharif Mohammed Kabungsuwan
schließlich war der erste Moslemführer, der bis
Mindanao vordrang; er heiratete dort eine einheimische Prinzessin
und gründete 1475 das straff organisierte Sultanat
Maguindanao (mit der Stadt Cotabato als Zentrum). Bemerkenswerterweise
erwiesen sich die arabischmalalischen Eroberer-Missionare
als vergleichsweise humane Kolonisatoren, die den Islam
nicht mit Feuer und Schwert verbreiteten, sondern versuchten,
mit Toleranz und Diplomatie ihre Interessen mit denen der
Einheimischen zu verbinden. Die meisten der südphilippinischen
Stämme nahmen die neue Lehre willig an, nur wenige
weigerten sich und wichen in die Berge zurück. Mit
dem Koran gelangten auch die arabische Schrift, orientalische
Kunst, arabisches Recht und der arabische Kalender auf einen
Teil der philippinischen Inselwelt. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts
war der Islam bereits punktuell auf der Hauptinsel Luzon
vertreten. Eine weitere Ausdehnung der politischen und kulturellen
Einflußsphäre der Söhne Allahs verhinderte
erst die spanische Kolonisation.
Die
spanische Kolonialepoche / Magellan - der Entdecker
Aus dem Schatten der Weltgeschichte traten die Philippinen
erst, als Fernäo de Magalhäes (besser bekannt
unter seinem hispanisierten Namen Ferdinand Magellan), ein
portugiesischer Seefahrer in Diensten der spanischen Krone,
am 16. März 1521 bei der unbewohnten Insel Homonhon
im Golf von Leyte vor Anker ging. Zwei Jahre zuvor war er
mit einer Expedltionsflotte (fünf Schiffe und 265 Mann
Besatzung) von der iberischen Halbinsel aufgebrochen, um
einen westwärts führenden Seeweg nach Indien zu
finden. Ein wichtiger Anstoß für die Umsegelung
Südamerikas war dabei der gewinnbringende Gewürzhandel
gewesen, der angesichts der mangelhaften Konservierungsmöglichkeiten
der damaligen Zeit weitaus größere Bedeutung
hatte als heute. Magellan nannte die Inseln, für die
er im Namen seines Kaisers Karl V. Besitzansprüche
geltend machte, >Archipelago de San Lazaro<. Ende
März erreichte die spanische Flotte die der Südspitze
Leytes vorgelagerte kleine Insel Limasawa, wo Magellan mit
dem Stammesführer Rajah Kolambu einen Blutsbund schloß
(ein Vertrag, bei dem ein Partner vom Blut des anderen trank),
und Pedro de Valderrama, ein katholischer Priester, am Ostersonntag
des Jahres 1521 die erste christliche Messe auf philippinischem
Boden zelebrierte.
Am
7. April 1521 landete Magellan auf Cebu (damals unter dem
Namen Sugbu bekannt und eine bedeutende Handelskolonie arabischer,
chinesischer und siamesischer Kaufleute); es folgten ein
Blutspakt mit dem Inselherrscher Rajah Humabon und wenig
später die Konvertierung Humabons, seiner Familie und
von 800 seiner Gefolgsleute zum christlichen Glauben. Lediglich
einer der lokalen Stammeshäuptlinge, LapuLapu von der
Insel Mactan, widersetzte sich allen Missionierungs- und
Unterwerfungsabsichten, iberische Stärke unter Beweis
stellend und in der vermeintlichen Gewißheit, die
militärische Überlegenheit zu besitzen, entschloß
sich Magellan zum Angriff, fand jedoch bereits beim Landungsversuch
den Tod, als sich seiner kleinen Schar von nur 60 bewaffneten
Spaniern in den flachen Mangrovengewässern Mactans
rund 2000 eingeborene Krieger entgegenstellten. Lapu-Lapu,
Magellans Bezwinger, ging als frühester Fretheitsheld
der Philippinen in die Geschichte ein, konnte mit seiner
Tat jedoch die Eroberung und Christianisierung der Inseln
nicht mehr aufhalten. Nach dem Tod ihres Generalkapitäns
setzte die nur noch aus zwei Schiffen und einer stark dezimierten
Besatzung bestehende Armada ihre Reise in westlicher Richtung
fort. Lediglich ein Schiff (mit nur noch 18 Seeleuten an
Bord) vollendete im September 1522 die erste Weltumsegelung
der Geschichte und erbrachte damit den endgültigen
Beweis für Galileis These von der Kugelgestalt der
Erde. Aber allein die wertvolle Ladung der Victoria (vorwiegend
Gewürze von den Molukken) reichte aus, um die Kosten
für die aufwendige Expedition um ein Vielfaches zu
übertreffen und, mehr noch, das Interesse der Spanier
an den fernen Inseln endgültig zu entfachen.
Im
Vertrag von Tordesillas (1494) hatte Papst Alexander Vl.
die neu entdeckten oder noch zu entdeckenden überseeischen
Gebiete zwischen den katholischen Weltmächten Spanien
und Portugal aufgeteilt: Spanien erhielt alle Gebiete westlich,
Portugal alle Gebiete östlich einer imaginären,
370 leguas (spanische Meile = 51/3 km) westlich der Kapverdischen
Inseln von Pol zu Pol verlaufenden Demarkationslinie zugesprochen.
Zunächst bestand in Europa keine Klarheit darüber,
wem der philippinische Archipel zuzuordnen sei - wo endete
Westindien, die spanische Einflußsphäre, und
wo Ostindien, der portugiesische Herrschaftsbereich? Im
Vertrag von Saragossa (1529) gab Kaiser Karl V. Spaniens
Hoffnungen auf den Gewürzhandel mit Asien auf und trat
alle Besitzansprüche auf die Gewürzinseln (Molukken)
und die Philippinen gegen eine Entschädlgungssumme
von 350 000 Golddukaten an die Portugiesen ab. Somit wurde
Portugal für 36 Jahre Kolonialmacht auf der fernen
Inselwelt, ohne daraus jedoch größeren politischen
oder wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Die Spanier hielten
sich an das Abkommen von Saragossa, indem sie die portugiesische
Souveränität über die Molukken respektierten;
ihr Interesse an den Philippinen aber gaben sie nicht auf.
Allem Anschein nach waren sich die Portugiesen deren handelsstrategisch
außerordentlich günstiger Lage (China!) nicht
bewußt, denn sie erhoben keine Einsprüche, als
die Spanier zwischen 1525 und 1542 vier weitere Expeditionen
zu dem fernöstlichen Inselreich entsandten und Ruy
Lopez de Villalobos dem Archipel zu Ehren des Infanten von
Spanien, Philipp 2. den Namen "Islas Filipinas"gab(1542).
Legazpi - der Eroberer
Die 333jährige spanische Kolonialherrschaft über
die Philippinen begann aber erst 1565. Philipp der 2., Sohn
Karls V. und seit 1556 König von Spanien, hatte ein
großes Interesse an einem Handelsstützpunkt im
Westpazifik zwischen China, Macao und den Molukken, und
so ordnete er 1559 an, die philippinischen Inseln dem spanischen
Kolonialimperium anzugliedern. Im November 1564 verließ
eine spanische Flotte unter Führung von Miguel Lopez
de Legazpi und Andres de Urdaneta, einem Augustinermönch,
Mexiko (oder Neuspanien, wie es damals genannt wurde) und
erreichte im März 1565 die Küste Bohols. 44 Jahre
nach dem Entdecker Magellan kreuzte mit Legazpi ein Eroberer
in der philippinischen Inselwelt auf. Geschickt schloß
der spanische Konquistador Blutsbrüderschaft mit Stammeshäuptlingen
(z. B. am 16. März 1565 mit Rajah Sikatuna von Bohol);
wo Diplomatie nicht half, setzte er die Überlegenheit
der spanischen Waffentechnik ein. Am 27. April 1565 nahm
er, nach erbitterter Gegenwehr der Einheimischen, die Insel
Cebu in Besitz und gründete wenig später die Stadt
Cebu, die älteste Stadt der Philippinen, die unter
dem Namen "Ciudad del Santissimo Nombre de jestis"
bis 1571 als Hauptstadt von Spaniens fernöstlicher
Kolonie diente.
Von
ihrer befestigten Wehrsiedlung auf Cebu aus erweiterten
die Spanier rasch ihren Machtbereich: Der Unterwerfung der
Inseln Panay, Masbate und Mindoro folgte 1571 die Eroberung
von Maynilad, einem kleinen Fürstentum unter dem Moslemführer
Rajah Sulayman an der Mündung des Pasig-Flusses auf
der Insel Luzon. An der Stelle des moslemischen Palisadenforts
gründete Legazpi im Juni 1571 eine von Mauern geschützte
Stadt mittelalterlich-spanischen Stils, die über drei
Jahrhunderte lang das Kernstück der spanischen Kolonie
in Südostasien bleiben sollte: Manila. Beim Tod Miguel
Lopez de Legazpis, des ersten Gouverneurs der Philippinen
(Beiname "EI Adelantado"; etwa "Der Voranschreitende"),
im August 1572 war die Eroberung des Archipels im wesentlichen
bereits abgeschlossen. Mit Ausnahme der moslemischen Sultanate
Mindanaos und Sulus kontrollierten die Spanier Ende des
16. Jahrhunderts bereits die gesamte philippinische Inselwelt.
Die
Kolonisation
Zur Zeit der Eroberung durch die Spanier waren die philippinischen
Inseln nur dünnbesiedelt; die Gesamtbevölkerung
betrug vermutlich nur knapp eine Million. Die meisten Menschen
lebten in verstreuten, voneinander isolierten Sippen- und
Dorfgemeinschaften, die nach den Booten der malalischen
Einwanderer Barangay, (heute noch die unterste politische
Verwaltungseinheit) genannt wurden. Diese am indisch-malalischen
Vorbild orientierte soziale Organisationsform umfaßte
in der Regel 30-100 Familien. Der dörflichen Siedlung
stand der Datu ("Häuptling") vor (in größeren
Dörfern Rajah oder Lakan genannt = Fürst), der
gleichzeitig die Spitze einer aus drei Klassen zusammengesetzten
gesellschaftlichen Pyramide bildete: den Adeligen (Maharlika),
den Freien (Timawa) und den Sklaven (Alipin). Zwar hatten
sich verschiedentlich Barangay nach der Heirat von Häuptlings
oder Fürstenkindern sowie zur Verteidigung gegen externe
Feinde zu Konföderationen zusammengeschlossen, doch
existierte noch kein übergreifendes, alle Inseln umfassendes
politisches Gemeinwesen. Dieses Fehlen einer staatlichen
Einheit und einer Zentralgewalt erleichterte den ab Ende
des 14. Jahrhunderts von Borneo über den Sulu-Archipel
her vordringenden Moslems ebenso wie den Spaniern die Kolonisationsarbeit
ganz entscheidend. Erst während ihrer Herrschaftszeit
formten die Spanier die philippinischen Inseln zu einem
Staatsgebilde.
Die
Ziele der iberischen Kolonisatoren lagen auf der Hand: Sie
wollten wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem fernöstlichen
Besitz ziehen, sich einen Stützpunkt für ihre
Weltmachtpolitik schaffen und die Seelen der heidnischen
Indios, wie sie die Eingeborenen nannten, retten. Eine Schlüsselrolle
bei der Eroberung und der kolonisatorischen Erschließung
der Philippinen spielte der spanische Klerus. Neben Soldaten
und Beamten kam eine Vielzahl von Mönchen verschiedener
rellgiöser Orden (zunächst die Augustiner; später
Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten) von der iberischen
Halbinsel. Mit dem Kreuz in der einen Hand, dem Schwert
in der anderen und Gott als mächtigern Verbündeten
gelang den Spaniern schon in kurzer Zeit die Bekehrung eines
Großteils der Inselbewohner zum Katholizismus. Die
rasche Christianisierung der Philippinen unterstützte
dabei in hohem Maße die Ausbreitung bzw. Festigung
der politischen Herrschaft der spanischen Krone - Spaniens
Priester und Mönche waren die eigentlichen Eroberer
des Landes. Die mächtigen Mönchsorden waren nicht
auf den sakralen Bereich beschränkt; es bestand Einheit
von Kirche und Staat, und die Fratres vereinigten bald einen
großen Teil der weltlichen Macht in ihren Händen.
Dem Klerus oblagen Bildung und Erziehung (Schulen und Universitäten
wurden bereits ab Ende des 16. Jahrhunderts gegründet),
Angehörige geistlicher Orden hatten aber auch führende
Positionen in der Administration inne und konnten so direkt
Einfluß nehmen auf das politische Geschehen.
Die
Spanier begannen bald, ihr bewährtes koloniales Siedlungsmuster
durchzusetzen, d. h. das ehemalige Stammesland in sogenannte
Encomiendas (Verwaltungsbezirke) einzuteilen und diese verdienten
Persönlichkeiten zu übereignen. Ebenso wie die
spanische Aristokratie und teilweise die traditionelle einheimische
Nobilität (Lokalfürsten u. a.) gelangte auch die
katholische Kirche durch das Encomienda-System in den Besitz
riesiger Latifundien, was die Orden vermögend und auch
mächtig machte. Die Encomenderos knechteten ihre Untertanen
durch hohe Tribute (Bandala), von denen sie wiederum einen
Teil an die Krone abführen mußten, und vor allem
durch ein Zwangsarbeitssystem (Polo), das alle männlichen
Filipinos zwischen 16 und 60 Jahren dazu verpflichtete,
40 Tage im Jahr unentgeltlich bestimmte Arbeiten (Bau von
Kirchen, Festungen, Straßen u. a.) zu verrichten.
Über 250 Jahre lang waren die Philippinen Kronkolonie
unter Spaniens Vizekönig in Mexiko. Erst nach der mexikanischen
Revolution (1821) wurden die Inseln Madrid direkt unterstellt
kamen Sitz und Stimme in der Cortes, der legislativen Gewalt
im Mutterland. Die Spanier schufen die Grundlagen für
eine nationale Einheit, indem sie das Inselreich unter einer
stark zentralisierten Verwaltung zusammenfaßten. Regiert
wurden die Inseln von einem Generalgouverneur, der als Repräsentant
der spanischen Krone über beinahe unbegrenzte Vollmachten
verfügte. Verwaltungsmäßig waren die Philippinen
in kolonisierte Provinzen (Alcaldias) und unbefriedete Regionen
(Corregimiendos), denen Zivilgouverneure bzw. Militärbefehlshaber
vorstanden, untergliedert. Die Provinzen teilten sich in
größere Orte (Pueblos) und diese wieder in Dörfer
(Barangay), zu deren Verwaltung die Spanier vorwiegend Einheimische
als Gobernadorcillos bzw. Cabezas de Barangay einsetzten.
Angriffe
auf Spaniens Kolonie
Während es den Spaniern schon bald gelang, alle Spuren
des Islam auf Luzon und den zentralphilippinischen Inseln
rigoros zu tilgen, konnten sie bis zum Ende ihrer Kolonialzeit
auf Mindanao und dem Sulu-Archipel nur punktuell Fuß
fassen. Die mächtigen Moslemsultanate der südphilippinischen
Inseln waren fast gleichzeitig mit dem Fall der letzten
islamischen Bastion in Spanien (Granada, 1492) entstanden.
Ihr zirkumglobaler Vorstoß ließ die Spanier
nun auf der anderen Seite der Erdkugel mit der östlichen
Wachstumsspitze des Islam zusammentreffen; wieder sahen
sie sich mit ihren Erzfeinden konfrontiert, mit den Moros,
wie sie die Moslems verächtlich nannten, auch wenn
es sich auf den Philippinen nicht um nordafrikanisch-andalusische
Mauren handelte, sondern um Mohammedaner malaiischer Abkunft.
1578 begannen die Spanier, noch gänzlich beherrscht
vom Geist der Reconquista, mit ihren Feldzügen gegen
die Moros, die ihrerseits zurückschlugen und bis zur
zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als gefürchtete
Piraten mit ihren schnellen Lantakas die Gewässer der
Visayas und Südluzons verunsicherten. Erst 1876 wurde
die Insel Jolo, die Hochburg des philippinischen Islam und
Sitz des wichtigsten Sultanats, endgültig der spanischen
Autorität unterstellt.
Der
fernöstliche Ableger von Spaniens Kolonialimperium
war von Anfang an nicht nur von kriegerischen Moslems bedroht.
Legazpis Brückenkopf auf Cebu wurde bereits in den
Jahren 1568-70 mehrfach von den Portugiesen (dem Vertrag
von Saragossa zufolge die rechtmäßigen Besitzer
der Philippinen) attackiert. Die portugiesischen Angriffe
endeten erst, als König Philipp. von Spanien 1580 Portugal
mit Waffengewalt annektierte und damit die beiden Nationen
der iberischen Halbinsel zu einer politischen Union zusammenschloß.
Manila war 1574/75 einer ernsten Bedrohung durch den chinesischen
Piraten Limahong ausgesetzt. Versuche Japans, die Philippinen
ihrem Kaiserreich anzugliedern, schlugen Ende des 16. Jahrhunderts
fehl. Die protestantischen Holländer, die im Dreißigjährigen
Krieg (1618-48) gegen die spanische Krone um ihre politische
Unabhängigkeit und religiöse Freiheit kämpften,
trachteten danach (nachdem sie die Portugiesen aus deren
indonesischen Kolonien vertrieben hatten), die Philippinen
in den Griff zu bekommen. Zwischen 1600 und 1646 attackierten
holländische Schiffe von Batavia (heute Jakarta) aus
mehrmals das spanische Manila. In der entscheidenden Seeschlacht
um Manila (La Naval de Manila) errangen die Spanier im März
1646 endgültig den Sieg, und 1648 wurden die Philippinen
im Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen
Krieg beendete, Spanien zugesprochen. Während des Siebenjährigen
Kriegs (1756-63) befand sich Spanien als Verbündeter
Frankreichs im Konflikt mit Großbritannien. 1762 eroberten
die Briten vorübergehend Manila (Sack of Manila); ein
Jahr später beendete der Frieden von Paris (10. Februar
1763) den mit dem Siebenjährigen Krieg verbunden denen
überseeischen Kolonialkrieg und bestätigte die
Herrschaft Spaniens über die Philippinen. Zu den Angriffen
von außen kam vom frühen 17. Jahrhundert bis
zum Ende der spanischen Kolonialepoche eine interne Bedrohung
in Form häufiger Aufstände unzufriedener chinesischer
und japanischer Siedler sowie einheimischer Filipinos, die
jedoch von den Spaniern jedes Mal mit eiserner Hand niedergeschlagen
wurden.
Der
Manila-Acapulco-Handel
Während aus Spaniens lateinamerikanischenen Kolonien
immense Ströme von Edelmetallen in die Schatzkammern
des Mutterlands flossen, galten die Philippinen als eine
wenig einträgliche Kolonie, die lange Zeit sogar auf
Subventionen angewiesen war. Große Bedeutung besaß
die Inselwelt in erster Linie als handelsstrategisches Bindeglied
zwischen dem spanischen Imperium und China. Manila, das
Zentrum des spanischen Fernosthandels und nach der Vereinigung
der Kronen Spaniens und Portugals Teil eines transglobalen
Handelsnetzes, wurde zu einem einzigartigen Verbindungsplatz
zu der abgeschlossenen Welt der späten Ming Dynastie.
Die erste warenbeladene Galeone, die "San Pedro",
das Flaggschiff der Legazpi-Expedition, überquerte
bereits 1565 den Pazifik in Richtung Mexiko und leitete
damit zweieinhalb Jahrhunderte äußerst profitablen
Handels zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre
ein. Alljährlich lief eine Flotte chinesischer Dschunken
den Hafen von Cavite in der Bucht von Manila an, reichbeladen
mit Porzellan, Seide, Elfenbein, Perlen, Edelsteinen und
anderen Kostbarkeiten. Die Spanier kauften diese exotischen
Güter auf und verschifften sie nach Mexiko. Transportmittel
waren die berühmten Galeonen (regierungseigene, schwere
Frachtensegler mit einer Wasserverdrängung bis zu 2000
Tonnen), die auf ihrem Heimweg von Acapulco mexikanische
Silberdollars (schon bald die gängige Währung
in den Häfen Ostasiens) mitbrachten.
Auf
seinem Höhepunkt erreichte der Manila-Acapulco-Handel
den Wert des transatlantlschen Handels von Sevilla. Nach
Protesten spanischer Städte (Sevilla, Cadiz u. a.),
die ihre Handelsdomäne bedroht sahen, beschränkte
der spanische Hof den philippinisch-mexikanischen Warenaustausch
auf nur ein Schiff jährlich. Der überaus einträgliche
Galeonenhandel brachte den daran beteiligten Spaniern in
Manila Wohlstand und Macht, war aber auch der Grund dafür,
daß sie die Binnenwirtschaft (vor allem die Landwirtschaft)
ihrer Kolonie vernachlässigten. Mit sinkender Nachfrage
nach asiatischer Ware in Mexiko trat der Manila-Acapulco-Handel
zu Beginn des 19.Jahrhunderts in seine Endphase; die letzte
Galeone befuhr im Jahr 1815 diesen gefährlichen, aber
ergiebigen Handelsweg. Als es gegen Ende des 18. Jahrhunderts
in ersten Ansätzen zu einer Liberalisierung des Welthandels
im Sinne der Theorien des Franzosen Francols Quesnay und
des Schotten Adam Smith kam, hoben die Spanier ihr Handelsmonopol
für die Philippinen auf. Nach dem Ende des Galeonenhandels
erhielten Schiffe unter fremder Flagge Zugang zu den philippinischen
Häfen; ausländischen Gesellschaften (vor allem
Amerikanern und Briten) wurde erlaubt, in philippinischen
Städten Niederlassungen zu gründen. Ungewollt
öffneten die spanischen Kolonialherren dadurch aber
auch neuen politischen Theorien und liberalem Gedankengut
Tür und Tor und leiteten damit gleichzeitig den Niedergang
der eigenen Macht ein. |
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Der
Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft
Während der drei Jahrhunderte spanischer Herrschaft
gab es im Durchschnitt alle fünf Jahre einen
Aufstand. Häufig wurden diese Erhebungen von
Eingeborenenpriestern (Babaylan) organisiert (z. B.
die Sumoroy-Rebellion auf Samar, 1649-50). Die längste
Revolte in der philippinischen Kolonialgeschichte,
die 1744 auf der Insel Bohol begann, dauerte 85 Jahre;
während dieser Zeit zogen sich 20 000 Boholanos
unter Führung Francisco Dagohoys ins bergige
Inselinnere zurück, gründeten lebensfähige
Dorfgemeinschaften und behaupteten bis 1829 ihre Unabhängigkeit.
Doch dies waren nur lokale Erhebungen, ausgelöst
durch die Zwangsarbeit, Tributpflicht oder Übergriffe
von Großgrundbesitzern. Erst in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich immer mehr
Filipinos ihrer rassischen Diskriminierung und wirtschaftlichen
Benachteiligung bewußt wurden, nahm der Nationalismus,
dessen Kern der Befreiungsgedanke vom kolonialen Joch
war, schärfere Konturen an. Überall im Lande
entstanden antikoloniale Freiheitsbewegungen, die
vor allem von einem liberal gesonnenen Mestizen-Bürgertum
(etwa ab 1830 entstanden), einheimischen christlichen
Priestern und bäuerlichen Sozialrevolutionären
getragen wurden. Sprecher und Katalysatoren des allgemeinen
Protests und Widerstands gegen die Spanier wurden
die sogenannten Ilustrados. Diese Intellektuellen,
meist Söhne philippinisch-spanischer oder philippinisch-chinesischer
Grundbesitzer, waren während ihres Studiums in
Europa mit dem Gedankengut der Französischen
Revolution in Berührung gekommen und forderten
nun in ihrem Heimatland Reformen, die sich aber durchaus
noch in einem maßvollen Rahmen bewegten (etwa
der Wunsch nach Aufhebung des Kolonial- zugunsten
eines Provinzstatus der Philippinen).
Die
spanische Revolution von 1868, die zum Sturz der autokratisch
regierenden Königin Isabella der 2. und zur Ausrufung
der Republik führte, hatte eine Liberalisierung
der Kolonialpolltik zur Folge. Mit der Restauration
der Monarchie in Spanien (1870) setzte jedoch das
tyrannische Regiment der weltlichen und kirchlichen
Machthaber auf den Philippinen wieder ein, und damit
flammten erneut Revolten auf, wie' jene von Cavite,
die als der eigentliche Beginn des nationalen Unabhängigkeitskampfes
bezeichnet werden kann. Am 20. Januar 1872 hatten
200 philippinische Soldaten im Arsenal von Cavite
gegen ihre spanischen Vorgesetzten gemeutert; der
Aufstand wurde niedergeschlagen, und es kam zu grausamen
Repressalien: Die der aktiven Subversion beschuldigten
philippinischen Geistlichen Jose' Burgos, Marlano
Gomez und Jacinto Zamora wurden öffentlich mit
der Garotte erwürgt. Nach dem Märtyrertod
der drei Priester organisierten sich im Exil lebende
Ilustrados unter Führung von Dr. Jose Rizal (1861-96),
Marcelo H. del Pilar (1850-93) und Graciano Lopez
Jaena (1856-96) zur "Propagandabewegung".
In ihr schlossen sich die Theoretiker und geistigen
Urheber der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung
zusammen, deren Ziel eine Abschaffung des Kolonialsysterns
auf friedlichem Wege war; als wichtigstes Organ der
Propagandistem erschien von 1889-95 in Barcelona die
kritische Zeitung" La Solidaridad" Eine
weitere wichtige Organisation der Exil-Filipinos war
zu jener Zeit die Associacion Hispano-Filipina mit
Sitz in Madrid. 1892 gründete Jose Rizal, aus
dem Exil in Hongkong nach Manila zurückgekehrt,
die gemäßigte, aber entschieden antiklerikale
Liga Filipinia. Die Proteste Rizals und anderer kritischer
Denker richteten sich in erster Linie gegen die rein
theokratisch organisierte katholische Kirche und deren
an der Konservierung feudaler Gesellschaftstrukturen
orientierten Haltung. Die Spanier brachten den revolutionären
Agitator, zum Schweigen, indem sie ihn nach Dapitan
(Mindanao) verbannten.
Noch
im selben Jahr folgte auf die bürgerliche Reformbewegung
der Compromisarios die Gründung des revolutionären
Geheimbunds Katipunan (Kataastaasan Kagalanggalangang
Katipunan ng mga Anak ng Bayan ="Hochangesehene
und ehrenwerte Organisation der Söhne des Volkes")
unter Andres Bonifacio (1863-97). Diese militante
Bewegung, die sich überwiegend aus den unteren
Gesellschaftsschichten rekrutierte, entfachte 1896
die Philippinische Revolution (übrigens die erste
nationale Revolution in Asien). Nach Bonifacios Hochruf
auf die Unabängigkeit der Philippinen am 19.
August 1896 in den Hügeln von Balintawak ("Cry
of Balintawak") brach der allgemeine Aufstand
zunächst in den acht Tagalog-Provinzen Zentralluzons
aus, verbreitete sich jedoch (nachdem sich die Filipinosoldaten
der Kolonialregierung auf die Seite der Freiheitskämpfer
gestellt hatten) rasch über das ganze Land. Trotz
der schlechten Bewaffnung der Aufständischen,
die teilweise mit Bolos (Buschmesser) und Bambusspeeren
kämpften, wurden die Spanier nicht Herr der Lage.
Ihre Antwort auf die Rebellion war die Errichtung
eines Terrorregiments: Tausende von Fillpinos wurden
in die Gefängnisse geworfen, viele der Revolutionäre
hingerichtet. Am 30. Dezember 1896 starb auch Jose
Rizal, stets ein Verfechter der Gewaltlosigkeit, unter
den Kugeln eines spanischen Exekutionskommandos, nachdem
ein Gericht ihn des Aufruhrs für schuldig befunden
hatte. Nach Auseinandersetzungen zwischen rivallsierenden
Revolutionsgruppen, die zum Tode Andres Bonifacios
führten, erwuchs der Philippinischen Revolution
1897 in General Emilio Aguinaldo (1869-1964) eine
neue Führerpersönlichkeit. Im Dezember desselben
Jahres unterzeichnete der spanische Generalgouverneur,
der keine Möglichkeit für die militärische
Unterwerfung der Aufständischen mehr sah, den
Vertrag von Biak-na-Bato. In dem Abkommen verpflichtete
sich die spanische Kolonialmacht, das Reformprogramm
der Unabhängigkeitsbewegung (Ausweisung der Orden,
erneute Repräsentation der Philippinen in der
spanischen Cortes, rechtliche Gleichstellung der Filipinos
mit den Spaniern, Garantie der Menschenrechte u. a.)
zu erfüllen; Auflage war, daß sich Aguinaldo
und andere Führer der Revolte außer Landes
begaben.
Der
Spanisch-Amerikanische Krieg
Am 20. April 1898, einige Wochen, nachdem das amerikanische
Kriegsschiff Maine unter geheimnisvollen Umständen
im Hafen von Havanna (Kuba war damals ebenfalls spanische
Kolonie) explodiert war, erklärte die Junge Großmacht
USA dem königlichen Spanien den Krieg. Nur zehn
Tage später zerstörte das amerikanische
Pazifikgeschwader unter dem Kommando von Admiral George
Dewey nach kurzem Gefecht die spanischen Kriegsschiffe
in der Bucht von Manila und leitete damit eine fast
vier Monate dauernde Blockade der Hauptstadt ein.
General Aguinaldo verbündete sich mit den Amerikanern,
von denen er als Gegenleistung die Zusicherung der
Unabhängigkeit erhielt, und kontrollierte mit
seinen Truppen bald das ganze Gebiet um Manila. Am
12. Juni 1898 proklamierte er in Kawit Kavite bei
Manila die Unabhängigkeit der Philippinen. In
der Zwischenzeit führten die Amerikaner mit den
belagerten Spaniern Geheimverhandlungen und nahmen
Manila am 18. August 1898 nach einem Scheingefecht
ein. Der Grund für das ungewöhnliche Verhalten:
Die Spanier wollten ihr Gesicht wahren und sich den
weißen Amerikanern, aber nicht den braunen Aufständischen
ergeben. Am Ende des spanisch-amerikanischen Konflikts
stand der Friedensvertrag von Paris (10. Dezember
1898), in dem die absteigende Großmacht Spanien
der aufsteigenden Weltmacht USA die Philippinen, Puerto
Rico und Guam für eine Entschädlgungssumme
von 20 Millionen US-$ überließ. Mit der
Ratifizierung des Abkommens durch den amerikanischen
Senat gingen die Philippinen in den direkten "Besitz"
der Vereinigten Staaten über.
Die
amerikanische Kolonialepoche
Als die Amerikaner im Sommer 1898 Manila attackierten,
sahen die Filipinos in ihnen Bundesgenossen im Kampf
gegen die verhaßte spanische Kolonialherrschaft.
Die USA unterstützten die Philippinische Revolution
jedoch nicht im Interesse der Freiheit, sondern mit
dem Ziel, die spanische Seeherrschaft im Pazifik zu
brechen. Wirtschaftlicher Expansionsdrang, Bedarf
an billigen Rohstoffen und Interesse an einer strategisch
günstigen Basis vor dem Kontinentalrand Asiens
- das waren weitere Gründe für die im Vertrag
von Paris verankerte Annexion der Philippinen. Doch
die amerikanische Kolonisation der Inseln erwies sich
als schwieriger als erwartet, denn Aguinaldo, der
sich von den ehemaligen Verbündeten betrogen
fühlte, begann nun einen Partisanenkrieg gegen
sie. Am 23. Januar 1899 hatte der in Malolos bei Manila
zusammengetretene Revolutionskongreß eine neue,
am Vorbild junger, unabhängiger lateinamerikanischer
Nationen orientierte Verfassung verkündet und
Emilio Aguinaldo zum Präsidenten der Ersten Republik
der Philippinen ernannt. Die Amerikaner erkannten
weder den Präsidenten noch seine Regierung an.
Nach dem Zwischenfall auf der San Juan-Brücke
in Manila bei dem ein Filipino durch eine amerikanische
Kugel den Tod fand, erklärte Aguinaldo den Amerikanern
am 5. Februar 1899 den Krieg. Es war der erste Guerillakrieg
in Asien; auf seinem Höhepunkt band er zwei Drittel
der gesamten US-Streitkräft auf den Philippinen
(126 000 Mann) und nahm an Brutalität den Vietnamkrieg
vorweg. Nach zwei Jahren erbitterten Kampfes gab sich
Aguinaldo geschlagen und legte den Treueeid auf das
Sternenbanner ab. Widerstandsgruppen der Katipunan
Bewegung kämpften vereinzelt jedoch noch bis
1911. Bilanz des philippinisch-amerikanischen Kriegs:
Rund 4200 gefallene US-Soldaten, über 16 000
getötet Filipino-Guerillas und etwa 200 000 Tode
Opfer unter der philippinischen Zivilbevölkerung.
So
erbarmungslos die Amerikaner das Land unterworfen
hatten, so planmäßig gingen sie danach
an seine Zivilisierung. Sie errichteten eine funktionierende
Infrastruktur, schufen ein modernes Verwaltungssystem
und bauten Schulen und Krankenhäuser. Es begann
die beinahe fünf Jahrzehnte dauernde Periode
der "Coca-Kolonisierung", während der
Amerikaner den Philippinen all das brachten, was sie
unter Kultur verstanden. Kein anderes Land, Guam ausgenommen,
habe die Amerikaner so lange und so nachdrücklich
nach ihren Vorstellungen und Idealen prägen können
wie ihre fernöstliche Kolonie. Dabei wurden die
Philippinen unter allen asiatischen Kolonialstaaten
des 20. Jahrhunderts zweifellos am liberalsten verwaltet.
Philippinische Historiker sprechen von einer "noblen
Kolonialpolitik", die von allen während
der US-Herrschaft über den Archipel amtierenden
Präsidenten, von McKinley bis Franklin D. Roosevelt,
sowie von allen amerikanischen Zivilgouverneuren,
von Taft bis Murphy, praktiziert wurde. Die von Präsident
McKinley eingesetzte amerikanisch-philippinischekommission
entwarf ein politisches System, für das der staatliche
Aufbau in den USA als Muster diente. 1907 wurde eine
gesetzgebende Versammlung eingeführt, die zwar
nur sehr begrenzte Befugnisse besaß, in der
aber die von Manuel L. Quezon und Sergio Osmena gegründete
Nationalistische Partei bereits vertreten war. 1916
versprach das von Präsident Wilson unterzeichnete
Jones-Gesetz den Philippinen die Unabhängigkeit,
sobald eine stabile Regierung errichtet werden kann,
und erweiterte überdies das Parlament. Die legislative
Gewalt übten nun ein Senat und eine Abgeordnetenkammer
aus, deren Mitglieder in der Mehrzahl gewählt
wurden. Die Verabschiedung des Tydings-McDuffie-Gesetzes
legte 1934 die Grundlage für die Schaffung einer
Commonwealth-Regierung, die das Land in einer Übergangsperiode
von zehn Jahren in die Unabhängigkeit führen
sollte. Erster Präsident des am 15. November
1935 ausgerufenen Commonwealth of the Philippines
war Manuel L. Quezon (1878-1944), Vizepräsident
Sergio Osmena. Die Philippinen verfügten zu dieser
Zeit über eine weitgehende innere Autonomie,
allerdings mußten die vom philippinischen Parlament
verabschiedeten Gesetze weiterhin von der amerikanischen
Regierung und dem Senat gebilligt werden.
Der
Zweite Weltkrieg und die japanische Besetzung
Mit dem Überraschungsangriff japanischer Tiefflieger
auf Pearl Harbor, den amerikanischen Marinehafen auf
der Hawaii-Insel Oahu, brach am 7. Dezember 1941 der
Pazifikkrieg aus. In einer Zangenbewegung landeten
einen Tag später Truppen der kaiserlich-japanischen
Armee auf Mindanao und Nordluzon. Außerstande,
die Offensive der Invasoren aufzuhalten, mußten
sich die Einheiten der von US-General Douglas MacArthur
aufgebauten philippinisch-amerikanischen Streitkräfte
(United States Armed Forces in the Far East USAFFE)
auf die Festungsinsel Corregidor in der Manila-Bucht
und in die Bergdschungel der Bataan-Halbinsel zurückziehen.
Der Eroberung Manilas am 2. Januar 1942 folgte der
japanische Angriff auf die beiden letzten Bastionen
der Alliierten. Nach hohen Verlusten auf Bataan und
nachdem Präsident Quezon und General MacArthur
nach Australien geflohen waren, streckten die philippinisch-amerikanischen
Truppen die Waffen. Ihre Kapitulation am 9. April
1942 (Fall von Bataan) leitete eines der dunkelsten
Kapitel in der philippinischen Geschichte ein - den
Todesmarsch von Bataan. Rund 76 000 alliierte Kriegsgefangene
mußten den über 100 km langen Weg in die
Japanischen Konzentrationslager von Capas in der Provinz
Tarlac antreten; nur 56 000 erreichten ihr Ziel, weitere
24 000 starben in den Lagern. Die japanische Propaganda
hatte während der Invasion noch die rassische
und kulturelle Einheit der Völker Asiens beschworen
und den Filipinos die Befreiung von der amerikanischen
Kolonialherrschaft versprochen. Während ihrer
dreijährigen Besatzungszeit errichteten sie jedoch
ein Regime des Schreckens und machten sich durch Akte
der Willkür und Grausamkeit verhaßt; vor
allem der Name des Generals Yamashita (Oberbefehlshaber
der japanischen Streitkräfte auf den Philippinen)
wurde zu einem Synonym für Greueltaten.
Im
Oktober 1943 installierten die Okkupanten eine Marionettenregierung
unter Präsident Jose Laurel. Zwar kollaborierte
eine Anzahl hoher Beamter und Großgrundbesitzer
mit der Besatzungsmacht, doch unterstützte die
überwiegende Mehrheit der Filipinos die antijapanische
Widerstandsarmee Hukbalahap (Hukbong bayani laban
sa hapon; kurz Huk Volkskämpfer gegen Japan).
Im Verlauf einer erfolgreichen Gegenoffensive, der
heftige Luftangriffe auf japanische Militärstützpunkte
vorausgegangen waren, konnte General Douglas MacArthur
sein Versprechen - "I shall return!" - einlösen:
Am 20. Oktober 1944 ging er in Begleitung der philippinischen
Exilregierung am Red Beach bei Tacloban (Leyte) an
Land. Im Januar 1945 erreichten die amerikanischen
Einheiten Luzon; Manila wurde bei der Rückeroberung
im Februar fast völlig zerstört.
Die
unabhängigen Philippinen
Am 4.Juli 1946 wurden die Philippinen als erste Kolonie
Asiens in die Unabhängigkeit entlassen. Mit der
offiziellen Übertragung ihrer Souveränitätsrechte
an die Republik der Philippinen unter Präsident
Manuel A. Roxas (1946-48) gewährten die Amerikaner
dem philippinischen Volk zwar formell die politische
Selbstbestimmung, jedoch blieb das Land auch weiterhin
durch eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen
Verträgen eng an die USA gebunden. Das Abkommen
vom 14, März 1947 sicherte den Vereinigten Staaten
das Recht zu, für die Dauer von 99 Jahren auf
philippinischem Hoheitsgebiet Militärstützpunkte
zu errichten (diese Zeitspanne wurde allerdings 1959
auf 15 Jahre reduziert). Der Bell Trade Act 1946 (1954
ergänzt durch das erst am 3. Juli 1974 ausgelaufene
"Laurel-Langley Abkommen") überließ
den Amerikanern die absolute Kontrolle über die
Währungspolitik und den gesamten Handelsverkehr
(während der philippinische Export nach den USA
Beschränkungen unterworfen war, konnten die Philippinen
keine protektionistischen Maßnahmen gegen amerikanische
Importe ergreifen). Nach der in den Wirtschaftsabkommen
verankerten Paritätsklausel hatten amerikanische
Bürger bei der Ausbeutung der natürlichen
Ressourcen der Philippinen (Landwirtschafts- und Waldgebiete
sowie Bodenschätze u. a) die gleichen Rechte
wie Filipinos, (diese Bestimmung machte übrigens
1946 eine Änderung der philippinischen Verfassung
nötig und erregte in der Folgezeit die meiste
Unzufriedenheit im philippinischen Volk).
Die Amtszeit des liberalen Präsidenten Elpidio
Quirino (1948-53) war charakterisiert durch eine verschärfte
politisch-wirtschaftliche Krise und vor allem durch
eine wachsende Guerillatätigkeit der "HUK"
.Diese kommunistisch geführte Untergrundarmee,
die sich überwiegend aus unzufriedenen landlosen
Bauern rekrutierte, hatte im Zweiten Weltkrieg gegen
die japanischen Besatzer gekämpft, weigerte sich
nach Kriegsende, die Waffen niederzulegen, und richtete
ihren Partisanenkampf nun gegen die Regierung. Ihr
erklärtes Ziel: die Abschaffung der durch äußerst
ungleiche Bodenverteilung verursachten sozialen Ungerechtigkeit
mittels einer radikalen Landreform (zur damaligen
Zeit waren über 85% der in der Landwirtschaft
Beschäftigten auf Zentralluzon, dem Hauptaktionsgebiet
der "Huk", landlose Pächter!). Die
ca. 20-30 000 Mann starke Guerillaarmee konnte sich
auf eine breite Massenbasis (etwa 5 Millionen Anhänger)
stützen und erwies sich als so erfolgreich, daß
Anfang der 50er Jahre ein gewaltsamer Umsturz unmittelbar
bevorzustehen schien. Dem damaligen Innenminister
und späteren Präsidenten Ramon Magsaysay
(1953-57) aber gelang es, die Guerilla durch massiven
Einsatz von Regierungsstreitkräften militärisch
zu besiegen und ihnen zudem durch soziale Reformen
(teilweise Neuordnung der Agrarstruktur, drastische
Beschränkung des Pachtzinses u. a.) die Basis
in der Bauern- und Landarbeiterschaft zu entziehen.
1954
war die Hukbalahap weitgehend aufgerieben. Präsident
Magsaysay verschaffte sich durch seine von breiten
Schichten der Bevölkerung gestützte Politik
des sozialen Ausgleichs eine ungeheure Popularität,
sein Reformwerk aber scheiterte letztendlich am Widerstand
der einflußreichen Großgrundbesitzer.
Nach Magsaysays tödlichem Flugzeugabsturz auf
Cebu im Jahre 1957 folgten ihm Carlos Garcia (1957-61),
Diosdado Macapagal (1961-65) und schließlich
Ferdinand Marcos (19651986) im Präsidentenamt.
In den beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg
wechselten sich die beiden großen, nach amerikanischem
Muster entstandenen Parteien - die Nacionalista Party
und die Liberal Party - nach jeder Legislaturperiode
in der Regierungsverantwortung ab. jedoch unterschieden
sich ihre politischen Programme nur in Nuancen; beiden
gemeinsam war die Loyalität gegenüber den
USA und ihr Wille, die Privilegien der herrschenden
Oberschicht zu wahren. Außenpolltisch verfochten
alle philippinischen Nachkriegspräsidenten einen
strikt antikommunistischen Kurs. 1954 erfolgte der
Beitritt des Landes zum Südostasienpakt (SEATO),
einer durch den "Vertrag von Manila" als
Gegengewicht zum in Asien expandierenden Kommunismus
gebildeten Organisation (die Mitgliedschaft hatte
eine Teilnahme philippinischer Verbände am Vietnamkrieg
zur Folge). Auf Präsident Macapagals Initiative
schlossen sich 1963 die Philippinen, Indonesien und
Malaysia zur (nur kurzlebigen) "Großmalaiischen
Konföderation" (MAPHILINDO) zusammen.
Nach
der Unabhängigkeit der Philippinen hatte es die
kleine, aber mächtige Führungsschicht -
die Oligarchie der großgrundbesitzenden, immens
reichen Traditionsfamillen, deren Ursprünge in
der feudalen Gesellschaftsstruktur der spanischen
Kolonialzeit wurzeln - geschickt verstanden, alle
entscheidenden Posten in Politik und Ökonomie
zu besetzen. Nepotismus und Korruption traten im Staats-
und Wirtschaftsleben offen zutage: So überstieg
bei verschiedenen Präsidentschaftswahlen in manchen
Wahlkreisen die Zahl der abgegebenen Stimmen die Bevölkerungsziffer
bei weitem. Während der zweiten Amtszeit von
Präsident Marcos (1969 wiedergewählt) trieb
die philippinische Republik der totalen Anarchie entgegen:
Politiker und reiche Familien unterhielten bewaffnete
Leibgarden; Schießereien zwischen rivalisierenden
Gruppen, sogar unter Polizeieinheiten, waren ebenso
an der Tagesordnung wie politisch motivierte Bombenanschläge;
die Kriminalitätsrate stieg auf internationales
Spitzenniveau (Beiname der Philippinen zur damaligen
Zeit: Der wilde Osten); in den Provinzen kam es zu
heftigen Gefechten zwischen Guerilleros und Regierungseinheiten.
Auf dem Höhepunkt militanter Studentenproteste
gegen die sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Mißstände verhängte Präsident
Marcos am 21. September 1972 das Kriegsrecht über
das Land und setzte damit alle demokratischen Institutionen
außer Kraft. Offiziell begründete Marcos
seinen Schritt mit der zunehmenden Gesetzlosigkeit
und der angeblichen Gefahr eines geplanten kommunistischen
Aufstands. Seine Kritiker jedoch beargwöhnen
seine Motive, da er sich dem Ende seine zweiten Amtsperiode
näherte und, gemäß Verfassung, ein
drittes Mal nicht kandidieren durfte.
Das
Ausland entrüstete sich, nicht wenige Filipinos
jedoch begrüßten diesen Schritt ebenso
wie die von Marcos proklamierte Schaffung gerechterer
sozialer Verhältnisse in einer Neuen Gesellschaft
(New Soclety oder Bagong Lipunan). Einen Anfangserfolg
konnte Marcos in der Tat verbuchen: Nach der Auflösung
von 150 Privatarmeen und der Konfiszierung von über
650 000 Waffen kehrten wieder Ruhe und Ordnung ein,
sank die Kriminalität im ganzen Land um etwa
90%. In den anderen Punkten seines Reformprogramms
(Beschneidung der Macht der Grundbesitzer,Realisierung
der überfälligen Landreform, Bekämpfung
der Korruption, Verbesserung des Gesundheitswesen
u. a.) allerdings scheiterte er. Marcos schränkte
zwar die Macht der alten Eliten ein, änderte
aber wenig am System der Herrschaft der Famillenclans,
sondern verteilte nun vielmehr die politische und
wirtschaftliche Macht im Lande , auf eigene Verwandte
und Günstlinge. Die Landreform, eines seiner
Kernversprechen, wurde nur zum Teil realisiert, obwohl
gerade in der ungerechten Landverteilung die Hauptursache
für soziale Spannungen liegt. Ein Referendum
im Juli 1973 bestätigte mit großer Mehrheit
Marcos als Präsident und Premierminister. Jedoch
wandelte sich das "lächelnde Kriegsrecht"
rasch zu einem unverhohlen totalitären System
und Marcos, von der offiziellen Propaganda als "Revolutionär
ohne Waffen" verklärt, zu einem Autokraten,
der das Land mit diktatorischen Dekreten regierte.
Nach der Verhängung des Ausnahmezustands wurde
das Militär als Stütze des Marcos-Regimes
mit Privilegien versehen, gefordert wurde als Gegenleistung
fortan nur noch Ergebenheit gegenüber dem Diktator,
nicht mehr gegenüber der Verfassung.
Den
massiven staatlichen Terror belegen Dokumentationen
internationaler Menschenrechtsorganisationen. Amnesty
International schätzt, daß seit 1972 mehr
als 50 000 oppositionelle Politiker, Journalisten,
Gewerkschaftsführer, Studenten und angebliche
Kommunisten von den Sicherheitskräften inhaftiert
wurden. Zahllose Fälle von Folterungen politischer
Gefangener sind ebenso erwiesen wie die Verschleppung
und das "Verschwindenlassen" ("salvaging")
Tausender von Oppositionellen durch die Armee. Ferner
wurden von den Streitkräften oder den Militärs
nahestehenden Einheiten, die den mittelamerikanischen
Todesschwadronen ähneln, Hunderte von politischen
Morden an mißliebigen Gegnern und Kritikern
begangen. Im Vorfeld des Besuchs von Papst Johannes
Paul 11. am 17. Januar 1981 hob Präsident Marcos
das Kriegsrecht formell auf, ohne dabei jedoch seine
umfassenden Befugnisse zu beschränken. Am 21.
August 1983 wurde Benigno ("Ninoy") Aquino,
früher liberaler Senator und Führer der
bürgerlichen Opposition, bei seiner Rückkehr
aus dem amerikanischen Exil auf dem Flughafen von
Manila erschossen. Die Kugeln seiner Mörder,
deren Auftraggeber im Umkreis des damaligen präsidialen
Machtapparats zu suchen sind, machten Aquino zum Volkshelden
und Märtyrer. Die Empörung über seine
Ermordung löste eine Protestwelle aus, wie sie
die Philippinen seit Ende der 60er Jahre nicht mehr
erlebt hatte; dieTrauerfeierlichkeiten für Aquino
gestalteten sich zu einem einzigen Plebiszit gegen
die Marcos-Diktatur. Massendemonstrationen brachten
Hunderttausende auf die Straße, die den Rücktritt
der Regierung forderten. Die Anti-Marcos-Front verlief
durch alle Bevölkerungsschichten, verrnehrt reihten
sich auch konservative Geschäftsleute, Unternehmer
und Bankiers ein. Zumindest indirekt hat Aquinos Tod
zum überraschenden Erfolg der Opposition bei
den Parlamentswahlen vom 14. Mal 1984 beigetragen.
Für
Marcos war dieser politische Mord der Anfang vom Ende,
für die Witwe, Corazon ("Cory") Aquino,
der Beginn eines Lebens im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit.
Innerhalb nur weniger Monate wurde sie zum Symbol
für den Widerstand gegen den Despoten. Als die
demokratische Opposition anschwoll und gleichzeitig
die Gefahr einer kommunistischen Erhebung ernster
wurde, versuchte Washington, den bedrängten Diktator,
der stets einen US-freundlichen und stramm antikommunistischen
Kurs garantiert hatte, zu demokratischen Zugeständnissen
zu bewegen. Bei den vorgezogenen Präsidentenwahlen
vom 7. Februar 1986, die auf Drängen der Reagan-Administration
zustandekamen, sollte sich Marcos eine neue demokratische
Legitimation holen. Überraschend schnell aber
gelang es der Präsidentschaftskandidatin Cory
Aquino mit Unterstützung der mächtigen katholischen
Kirche, die legale moderate Opposition, die sich lange
Zeit nicht als geschlossener Block präsentierte,
sondern in zahlreiche Splittergruppen gespalten war,
im Widerstand gegen Marcos zu vereinen. Der Wahlkampf
des Gespanns Aquino Laurel wurde zu einem einzigartigen
Triumphzug. Ferdinand Marcos und seine Regierungspartei
KBL setzten dagegen auf die Überzeugungskraft
des in vielen philippinischen Wahlen bewährten
Instrumentariums: auf "guns, goons (= Schläger)
and gold", Trotz der Präsenz von rund 500
000 Freiwilligen zumeist Nonnen, Priester und Lehrer
der unabhängigen "Nationalen Bürgerbewegung
für freie Wahlen" (NAMFREL) in den Wahllokalen
bestimmten Wahlbetrug durch Einschüchterung,
blutige Gewalt, ungenierter Stimmenkauf, gefälschte
Wählerlisten und sogar dreister Wahlurnendiebstahl
den Ablauf dieses für die Philippinen schicksalhaften
Tages.
Überall
wurden ganze Wagenladungen mit "fliegenden Wählern"
von Ort zu Ort gekarrt, um gleich mehrmals die Stimmen
für Marcos abzugeben. Die Korruption der Mächtigen
hat Tradition auf den Philippinen, doch diesmal übertraf
der Wahlbetrug alle Befürchtungen. Der Diktator
aber unterschätzte die um den Wahlsieg gebrachte
Cory Aquino und den Freiheitswillen des philippinischen
Volkes. In zahlreichen Appellen rief Frau Aquino zum
zivilen Ungehorsam, zum Generalstreik und zum Boykott
aller Marcos-Unternehmen auf. Nachdem auch die Bischofskonferenz
unter Vorsitz des versierten Erzbischofs von Manila
und philippinischen Primas, Jaime Cardinal Sin, die
Wahlmanipulationen der Marcos Administration gegeißelt
hatte und zudem Washington auf Distanz zu seinem einstigen
Schützling ging, fand der Aufruf zum gewaltlosen
Widerstand auch bei der Reformbewegung in den Streitkräften,
der etwa 60% aller Offiziere angehörten, Unterstützung.
Die spektakuläre Rebellion der vom ehemaligen
Verteidigungsministerjuan Ponce Enrile und dem damaligen
stellvertretenden Generalstabschef Generalleutnant
Fidel V. Ramos angeführten Fraktion brachte schließlich
den Diktator zu Fall, zwang ihn zu seinem schmählichen
Abgang ohne Glanz und Würde.
Während
der dramatischen Tage nach der Gehorsamsverweigerung
der Spitzenmilitärs gaben die Philippinen der
Welt ein historisches Beispiel für eine weitgehend
unblutige Revolution. Zum erstenmal in der Geschichte
hat ein wehrloses Volk rebellierende Soldaten vor
der Rache eines Gewaltregimes beschützt. Hundertausende
singender und betender Filipinos stellten sich auf
den Straßen Manilas den Panzern Marcos-treuer
Truppen in den Weg, bildeten buchstäblich mit
ihren Körpern einen Schutzwall um die Stellungen
der revoltierenden Einheiten. Am 25. Februar 1986
wurde Corazon Aquino zur siebten Präsidentin
der Philippinen vereidigt. Der demokratische Neubeginn
unter der Aquino-Regierung jedoch war von Anfang an
stark belastet mit dem Erbe der diktatorischen Vergangenheit:
ein kommunistischer Aufstand, der den gesamten Archipel
erfaßt hatte; eine durch Korruption und hemmungslose
Bereicherung ausgeblutete Wirtschaft und zerrüttete
Staatsfinanzen; eine gespaltene Armee; Separatismus
im moslemischen Süden des Landes; Massenarmut
und Menschenrechtsverletzungen. Zusammengehalten wurde
die Aquino-Koalltion allein durch ihre gemeinsame
Opposition gegen die Marcos-Diktatur. In ihr fanden
sich konservative Geschäftsleute, bürgerliche
Oppositionelle, Vertreter des katholischen Klerus,
reformwillige Militärs, aktive Menschen- und
Bürgerrechtler, aber auch ehemalige Repräsentanten
des Marcos-Regimes.
Es
war dies von vornherein eine fragile Allianz, was
die völlig entgegengesetzten Interessen der beiden
Pole, Militärs auf der einen und liberale Demokraten
auf der anderen Seite, widerspiegelten. Trotz Corazon
Aquino als Integrationsfigur waren damit Spannungen
und interne Streitigkeiten, die später lange
Zeit ihr Kabinett paralysierten, vorprogrammlert.
Nationale Versöhnung hatte das Motto Frau Aquinos
bereits während ihres Wahlkampfes gelautet. Bereits
wenige Tage nach ihrem Amtsantritt amnestierte sie
Hunderte von politischen Gefangenen, darunter - gegen
den entschiedenen Widerstand ihrer militärischen
Berater - kommunistische Spitzenkader wie den Mitbegründer
der CCP Jose Maria Sison und den Gründer der
NPA Bernabe Buscayno. Eine weitere Priorität
sah die neue- Präsidentin in der Beendigung des
damals bereits 17 Jahre andauernden Guerillakrieges.
Trotz ständiger Versuche des damaligen Verteldigungsministers
Enrile und reaktionärer Militärs, die Friedensverhandlungen
zu torpedieren, kam es am 27. November 1986 zur Veeeinbarung
eines 60 tägigen Waffenstillstands zwischen Regierungsvertretern
und Unterhändlern der National Democratic Front.
Einen Monat nachdem Corazon Aquino ihren Eid abgelegt
hatte, setzte sie die alte Marcos-Verfassung außer
Kraft, löste das immer noch von der Marcos-Partei
KBL dominierte Parlament auf und proklamierte eine
vorläufige Freiheitsverfassung. Bis zur Ratifizierung
eines neuen, von einer 50 Mitglieder zählenden
verfassungsgebenden Versammlung ausgearbeiteten Grundgesetzes,
hatte Frau Aquino als Präsidentin Blankovollmacht,
Gesetze zu verabschieden oder zu modifizieren sowie
u. a. die Verwaltung neu zu organisieren.
Zu
einer ersten innenpolltischen Krise führte die
komplette Umstrukturierung der Administration. 70
Provinzgouverneure, 1600 Bürgermeister und über
10 000 Stadträte, allesamt einstige Marcos-Leute,
wurden entlassen und (oft willkürlich) vorwiegend
durch PDP/Laban- sowie UNIDO-Anhänger ersetzt,
die außer ihrer Loyalität gegenüber
der Aquino-Regierung keinerlei Eignungskriterien vorzuweisen
hatten. Geschichten über Ämterkauf und Vetternwirtschaft
(dieses Mal unter anderen Vorzeichen) begannen schon
bald die Runde zu machen.Behinderte zunächst
lediglich verbales Störfeuer (vor allem von Verteidigungsminister
Enrile) den Demokratisierungsprozeß, so drohte
das Experiment >Demokratie auf den Philippinen<
in den ersten anderthalb Jahren der Präsidentschaft
Cory Aquinos mehrere Male im Kugelhagel rebellierender
Militäreinheiten zu scheitern. Den Auftakt einer
Serie von Umsturzversuchen Marcos-loyaler Kräfte
bildete der sogenannte >Tolentino-Putsch,. Am 6.
Juli 1986 verschanzte sich der frühere Außenminister
Arturo Tolentino mit einigen hundert Soldaten im Manila
Hotel der Hauptstadt, erklärte sich selbst zum
amtierenden Staatsoberhaupt und das Aquino-Kabinett
als abgesetzt. Der dilettantische Versuch, die Regierung
von Frau Aquino aus den Angeln zu heben, scheiterte
bereits nach 36 Stunden. In der Folgezeit häuften
sich die Putschgerüchte in Manila. Am 23. November
1986 entließ Präsidentin Aquino Verteldigungsminister
Enrile, da fast alle Putschpläne und Umsturzversuche
mit ihm in Zusammenhang gebracht wurden. Doch weitere
Rebellionen der Militäreinheiten, die zum Teil
vom exilierten Diktator von Hawaii aus inszeniert
worden sein sollen, folgten. Insgesamt hat Corazon
Aquino sieben Putschversuche überstanden, den
schwersten und blutigsten davon Anfang Dezember 1989
(100 Tote, 300 Verletzte), als es ihr nur mit massiver
amerikanischer Hilfe gelang, einen Aufstand größerer
Armee Einheiten niederzuschlagen. Nicht nur in direkten
Rebellionen gegen die Aquino Regierung versuchten
reaktionäre Militärkreise, den Prozeß
der Demokratisierung und der nationalen Versöhnung
auf den Philippinen zu unterlaufen.
Am
22. Januar 1987 schossen Marineinfanteristen an der
Mendiola-Brücke in der Nähe des Präsidentenpalastes
auf friedlich demonstrierende Bauern, töteten
dabei 18 Menschen und verletzten über hundert.
Seit Beginn der 70er Jahre hatte Manila eine solche
Brutalität, ein derartiges Massaker nicht mehr
erlebt. Nicht nur Linke und Liberale fragten sich
entsetzt: Kehren die Marcos Jahre wieder? Folge des
Blutbads: Die Verhandlungsführer der NDF brachen
die Waffenstillstandsgespräche mit der Regierung
ab und gingen wieder in den Untergrund. Danach tobte
der Krieg zwischen Regierungstruppen und der Guerilla
jahrelang blutiger als je zuvor.Trotz allem ging der
formale Demokratisierungsprozeß weiter. Am 2.
Februar 1987 votierte die philippinische Bevölkerung
in einem Referendurn, das gleichzeitig als Popularitätstest
für Corazon Aquino gelten konnte, mit deutlicher
Mehrheit (fast 80%) für die neue Verfassung.
Allerdings stimmten in den Kasernen höchstens
50% der 250000 Soldaten für das neue Verfassungswerk.
Der Ausgang des Volksentscheids hat die politische
Mitte gestärkt; Verlierer waren die rechtsextremen
und die linken Oppositionskräfte, die aus unterschiedlichen
Motiven versucht hatten, die Massen für ein >Nein<
gegen das Grundgesetz zu mobilisieren. Nächste
Etappe auf dem Weg zur Etablierung demokratischer
Verhältnisse waren die Kongreßwahlen vom
11. Mai 1987, bei denen über 25 Millionen Wahlberechtigte
ihre Volksvertreter für das Repräsentantenhaus
(200 gewählte und 50 von der Präsidentin
ernannte Mitglieder) sowie für den Senat (24
Mitglieder) wählten. Obwohl es auch in der Nach-Marcos
Ära nicht ohne Stimmenkauf und Wahlbetrug - sowohl
gegen die rechte als auch die linke Opposition - abging,
waren dies nach fast zwei Jahrzehnten die ersten halbwegs
freien Parlamentswahlen auf den Philippinen.
Mit
erdrückender Mehrheit zogen die Kandidaten der
damaligen Regierungskoalition Lakas ng Demokratikong
Pilipina (LDP) in beide Häuser des Zweikammerparlaments
ein. Mit den Kommunalwahlen vom 18. Januar 1988, bei
denen die neuen Provinzgouverneure sowie Bürgermeister
und Stadträte gewählt wurden und bei denen
der Koalltionsblock Corazon Aquinos wiederum als Sieger
hervorging, konnte die formelle Rückkehr zur
Demokratie schließlich abgeschlossen werden.
Aus den Präsidentschaftswahlen vom 11. Mal 1992,
bei denen Frau Aquino laut Verfassung nicht mehr kandidieren
durfte, ging der ehemalige Generalstabschef und Verteldigungsminister
Fidel Ramos als Sieger hervor. Nach Ferdinand Marcos'
Vertreibung von den Philippinen brach in der Inselrepublik
unbeschreiblicher Jubel aus. Der Sturz der jahrzehntealten
Diktatur schien eine neue Ära der Demokratie,
der Abschaffung staatlicher Willkür, der Beseitigung
von Hunger, Armut und Ausbeutung einzuläuten,
Nach ihrem Amtsantritt hatte Corazon Aquino dem Volk
nicht nur den wirtschaftlichen Aufschwurig und bessere
Lebensverhältnisse, sondern auch ein demokratischeres
System, Freiheit und Gerechtigkeit verheißen,
während ihrer Amtsperiode jedoch kaum eines der
Versprechen eingehalten. Uni die Herrschaft der Marcos
Clique zu brechen, hatte die Aquino Koalition die
Unterprivilegierten mobilisiert. Die Macht, die danach
installiert wurde, aber war wieder eine der reichen
Führungselite.
Die
Regierung Aquino entschuldigte die desolate Lage gern
mit einer Reihe von Naturkatastrophen, die das Land
in den letzten Jahren heimgesucht hatten. Erdbeben
und Talfune sowie vor allem der verheerende Ausbruch
des Vulkans Mt. Pinatubo, hätten nach Angaben
des Präsidentenpalastes den Staatshaushalt extrem
belastet. Aber während im Katatrophengebiet um
den Pinatubo die Menschen in schäbigen Evakulerungslagern
vor sich hin vegetierten, verschwanden Millionen Dollar
internationaler Hilfsgelder in den Kanälen einer
geradezu abenteuerlichen Korruption und Inefflzienz.
Diesen Sumpf trockenzulegen und die Philippinen in
eine prosperlerende Zukunft zu führen, hat Präsident
Fidel Ramos angekündigt. Zum Abschluß der
"Mutter aller Arbeitstagungen", zu der er
Anfang 1993 rund 150 Wirtschaftsexperten in Manila
versammelt hatte, legte Ramos ein 31-Punkte-Programm
vor, mit dem er die stagnierende philippinische Wirtschaft
wieder in Schwung bringen und die Inselrepublik bis
zum Jahr 2000 in ein sogenanntes "Newly Industrialised
Country" verwandeln will. Ob Ramos diese hochgesteckten
Ziele angesichts der gegenwärtigen desolaten
Ausgangslage aber wird erreichen können, erscheint
mehr als fraglich.
Zeittafel
ab ca. 250 000 Erste Besiedlungsspuren auf den Philippinen
ab ca. 30 500 Erstes Auftreten des Homo Sapiens (Tabon-Mensch)
ab ca. 25 000 Besiedlung der Philippinen durch negroide
Urvölker
gegen 3000 und 1000 Zwei Einwanderungswellen proto-
oder altmalaiischer Völker; Entstehung einer
jungsteinzeitlichen Kultur
ab ca. 200 Einwanderung deutero- oder jungmalaiischer
Völker;Beginn der philippinischen Bronze-Eisenzeit
Frühe Kontakte zu Nachbarstaaten
ab ca. 600 Handelskontakte mit China
ab ca. 800 Einfluß des kolonialindischen Sri-Vijaya-Großreiches
ab ca. 1000 Inlensivierte Handelsbeziehungen zu China
und später auch zu Japan
13. Jh. Einwanderung malaiischer Datu von Borneo;
Gründung erster chinesischer Niederlassungen
14./15. Jh. Einfluß des hinduistischen Majapahit-Imperiums;
zeitweise Tributpflicht philippinischer Stammesfürsten
gegen über der chinesischen Ming-Dynastie
Die
Islamisierung der südphilippinischen Inseln
ab 1380 Vordringen des Islam von Borneo über
den Sulu-Archipel
1450 Gründung des moslemischen Sultanats von
Jolo
1475 Errichtung des moslemischen Sultanats von Maguinda
nao (Mindanao) und Ausbreitung des Islam bis Zentral
luzon
Die
spanische Kolonialepoche
16. März 1521 Ferdinand Magellan erreicht die
Insel Homonhon und nimmt die philippinischen Inseln
für Spanien in Besitz
7. April 1521 Konvertierung 800 Eingeborener zum Christentum
27. April 1521 Tod Magellans auf der Insel Mactan
1542 Lopez de Villalobos benennt im Verlauf der vierten
spanischen Philippinenexpedition den Archipel nach
dem Kronprinzen und späteren König Philipp
den 2.
März 1565 Miguel Lopez de Legazpi beginnt mit
der Eroberung der Philippinen; Beginn der spanischen
Kolonialherrschaft
27 April 1565 Eroberung der Insel Cebu; wenig später
Gründung der Stadt Cebu
1565-70 Beginn des Galeonenhandels zwischen den Philippinen
und Mexiko
1571 Eroberung des moslemischen Fürstentums Maynilad
24.Juni 1571 Legazpi gründet Manila und ernennt
die Stadt zur Hauptstadt der Philippinen
1574/75 Angriffe des chinesischen Piraten Limahong
auf Manila
ab 1578 Beginn der spanischen Feldzüge gegen
die >Moros< (Moslems)
Ende 16. Jh. Beginn der christlichen Missionierung
bis 1600 Unterwerfung der philippinischen Inseln bis
auf den moslemischen Süden
15. März 1646 Seesieg der Spanier über die
Holländer in der Bucht von Manila
1762-63 Britische Besetzung Manilas
1815 Ende des Manila-Acapulco-Handels; danach Öffnung
Manilas für den internationalen Handel
1821 Mexikanische Revolution mit folgender Unabhängigkeit;
die Philippinen, bis dahin Kronkolonie von Mexiko,
werden Madrid direkt unterstellt
20. Januar 1872 Cavite-Aufstand; Beginn des nationalen
Unabhängigkeitskampfes
1872 Gründung der Propagandabewegung
1892 Jose Rizal gründet die antiklerikale Liga
Filipina, Andres Bonifacio den revolutionären
Geheimbund Katipunan: Verbannung Rizals nach Mindanao
19. August 1896 Bonifacios Cry of Balintawak setzt
das Zeichen für den Beginn der Philippinischen
Revolution
30. Dezember 1896 Hinrichtung Jose Rizals
1897 General Emilio Aguinaldo übernimmt die Führung
der Freiheitsbewegung
20. April 1898 Beginn des Spanisch-Amerikanischen
Kriegs
12.Juni1898 General Aguinaldo ruft die Unabhängigkeit
der Philippinen aus
10. Dezember 1898 Im Friedensvertrag von Paris tritt
Spanien die Philippinen an die USA ab
Die
amerikanische Kolonialepoche
23. Januar 1899 Der Malolos-Kongreß verkündet
eine parlamentarische Verfassung und ernennt Emilio
Aguinaldo zum Präsidenten der Ersten Republik
der Philippinen
1899-1901 Philippinischer Unabhängigkeitskampf
gegen die USA
1916 das Jones-Gesetz verspricht den Philippinen nach
einer Übergangszeit unter kolonialer Verwaltung
die Unabhängigkeit
15. November 1935 Ausrufung des mittels des Tydings-McDuffie-Gesetzes
geschaffenen Commonwealth of the Philippines; Manuel
L. Quezon wird erster Präsident
Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besetzung
8. Dezember 1941 Beginn der japanischen Okkupation
April 1942 Fall von Bataan
Oktober 1944 US-General MacArthur landet auf Leyte;
Beginn der Rückeroberung
Die
unabhängigen Philippinen
4. Juli 1946 US-Präsident Truman erklärt
die Philippinen für unabhängig; Manuel A.
Roxas wird erster Präsident
1946/47 Abschluß verschiedener Verträge,
die die Philippinen politisch und wirtschaftlich eng
an die USA binden
1948-53 Präsidentschaft von Elpidio Quirino
1950-54 Rebellion der Hukbalahap
1953-57 Präsidentschaft von Ramon Magsaysay
1957-61 Präsidentschaft von Carlos Garcia
1961-65 Präsidentschaft von Diosdado Macapagal
30. Dezember 1965 Ferdinand E. Marcos wird Präsident
11. November 1969 Wiederwahl von Präsident Marcos
1970 Beginn des bewaffneten Kampfes der moslemischen
Separatistenbewegung MNLF
21. September 1972 Ausrufung des Kriegsrechts; Beginn
der Neuen Gesellschaft
ab 1973 Diktatorische Vollmachten für Präsident
Marcos
17. Januar 1981 Formelle Aufhebung des Kriegsrechts
17.-22. Februar 1981 Besuch von Papst Johannes Paul
11.
16. Juni 1981 Erneute (umstrittene) Wiederwahl von
Präsident Marcos
21. August 1983 Ermordung des Oppositionsführers
Benigno Aquino
7. Februar 1986 Vorgezogene Präsidentenwahlen,
die Ferdinand Marcos nur mittels massiven Wahlbetrugs
gewinnen kann
17.-25. Februar 1986 Nach einer weitgehend gewaltlosen
Volkserhebung und einer Rebellion von Spitzenmilitärs
gegen das
Marcos-
Regime verläßt der Diktator das Land
25. Februar 1986 Corazon (Cory) Aquino wird zur siebten
Präsidentin der Philippinen vereidigt
22. Januar 1987 Massaker an der Mendiola-Brücke
in Manila
9.-11. Juli 1989 Staatsbesuch von Corazon Aquino in
der BRD
28. September 1989 Ferdinand Marcos stirbt im Exil
auf Hawaii
16. Juli 1990 Erdbeben in Baguio mit etwa 1600 Todesopfern
12. Juni 1991 Ausbruch des Vulkans Mt. Pinatubo mit
etwa 800 Todesopfern
28. November 1991 Schwerer Taifun auf den Inseln Leyte,
Negros und Samar mit mehr als 7000 Todesopfern
11. Mai 1992 Fidel Ramos gewinnt die Präsidentschaftswahlen
und wird zum achten Präsidenten der Philippinen
vereidigt
24. November 1992 Schließung der Subic Naval
Base bei Olongapo und Ende der amerikanischen Militärpräsenz
auf den Philippinen
(Quelle:
Internet, Verfasser unbekannt)
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